Zeit der Wandlung
Zeit der Wandlung
Übergänge prägen unser Leben: Momente, in denen das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch unsicher ist. Solche „Schwellenzeiten“ fordern uns heraus. Doch sie schenken auch die Chance, uns neu zu entdecken und verlorene Anteile unserer Persönlichkeit zu integrieren.
Der Ethnologe Arnold van Gennep hat gezeigt, dass Zeiten des Übergangs – ob durch Pubertät, Auszug, Elternschaft, Trennungen oder Sinnkrisen – immer einer tiefen Logik folgen: Abschied, Schwellenzeit, Rückkehr.
- Abschied vom Alten: Jeder Übergang beginnt mit dem Loslassen – sei es ein Lebensabschnitt, eine Rolle oder eine Gewohnheit. Diese Phase ist oft von Rückblick, Würdigung und manchmal auch Trauer geprägt. Sie fordert uns auf, das Vergangene bewusst zu verabschieden.
- Schwellenzeit: Als Schwellenzeit wird die Zeit zwischen Ende und Anfang bezeichnet, zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“. Das „Nichtwissen“ ist eine Zeit der Offenheit. Hier darf Ungewissheit sein, darf Neues entstehen. Es ist die Phase, in der wir uns selbst und die Welt mit neuen Augen sehen lernen.
- Rückkehr und Integration: Am Ende steht die Rückkehr – nicht als dieselbe Person, sondern mit neuer Weisheit, die in die Gemeinschaft oder den eigenen Weg eingebracht wird.
Traditionen der Übergangsbegleitung
In vielen Kulturen waren Rituale selbstverständlich, die solche Prozesse begleiteten. Bei indigenen Völkern wie den Lakota suchten Jugendliche in der Natur nach Visionen, die ihnen ihren Platz in der Gemeinschaft zeigten. Auch in Europa gab es solche Praktiken: Jahreskreisfeste markierten Lebensphasen; Pilgerreisen waren Wege der inneren Einkehr. Selbst die Wanderjahre der Handwerksgesellen können wir als eine Form der Initiation verstehen: Junge Menschen zogen hinaus, um Erfahrung zu sammeln und als Erwachsene zurückzukehren.
Heute fehlt oft der Raum und die Bgleitung für solche Rituale. Stattdessen durchlaufen Jugendliche Schule und Ausbildung oder Studium, geleitet von gesellschaftlichen Erwartungen, ohne wirklich anzukommen – bei sich selbst. Viele werden so erwachsen, ohne sich je tief kennengelernt zu haben. Statt Klarheit über den eigenen Weg zu gewinnen, bleibt oft ein diffuses Gefühl: Wer bin ich eigentlich? Was will ich wirklich? Die Orientierung fehlt, die Verbindung zu sich selbst ist zuweilen brüchig, begleitet vom Gefühl, im eigenen Leben nicht wirklich gehalten zu sein.
Moderne Übergangsrituale – verwurzelt in Gemeinschaft und Mitwelt
Meine Arbeit knüpft an diese Traditionen an – nicht als Programm, sondern als Weg. Übergänge sind keine Aufgaben, die man „abarbeitet“, sondern brauchen Verbindung:
- Zur Gemeinschaft, die den Wandel trägt (etwa durch Mentoring oder Kreise, in denen Geschichten geteilt werden).
- Zur Mitwelt: Natur, Ahnen, der Lebensraum um uns – alles, was uns erinnert, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.
Für Jugendliche biete ich den WalkAway an – ein Ritual, das den Übergang vom Kind zum Jugendlichen begleitet. Es ist kein Kurs, sondern eine Einladung, sich selbst und die eigene Verbindung zur Welt neu zu spüren.
- WalkAWay – ein kraftvoller Übergang vom Kind zum Jugendlichen
Für Eltern und Erwachsene begleite ich Formate, die helfen, Übergänge im Familienleben oder im eigenen Wachstum bewusst zu gestalten. Dieses Wissen gebe ich auch in der Fortbildung „Initiatorische Naturpädagogik (INP)“ weiter – für alle, die selbst mit Ritualen und Übergängen arbeiten möchten.
- „…jetzt musst du in dein Herz hinaus…“ Solozeit in der Natur für Erwachsene
- Fortbildung Initiatorische Naturpädagogik (INP)
Meine Haltung
Als Lernende in der Auseinandersetzung mit kultureller Aneignung und Dekolonisierung ist es mir wichtig, Rituale bewusst und respektvoll zu gestalten. Ich sehe mich nicht als „Besitzerin“ dieser Traditionen, sondern als Teil eines größeren Lernens – verwurzelt in europäischer Naturverbundenheit und im Dialog mit anderen Kulturen.