Übergänge & Visionssuche

Zeit der Wandlung

Die Wahrnehmung, die Gestaltung und die Würdigung von Lebens-Übergängen beschäftigt und bewegt mich schon seit einer langen Weile. Wer kennt nicht diese Zustände, in denen das Alte, das Vertraute nicht mehr und das Neue noch nicht trägt? Schwellenzeiten, in denen etwas gehen, sterben muß, damit Raum wird für Frisches, von dem wir scheinbar noch nichts wissen und das doch lang schon in uns schläft? Krise nennt man solche Zeiten, die uns Raum für Wandlung, für Wachstum und Entwicklung schenken.

Wir durchleben biologische Übergänge wie unsere Geburt, Pubertät, Elternschaft, Wechseljahre, Alter und den Tod. Aber auch Trennungen, ein Wechsel von Arbeitsplatz oder Wohnung, Unfälle, Krankheiten, Burn Out, Trauer oder die Suche nach Sinn können Krisen in uns auslösen. Wir können sie als Wachstumskrisen bezeichnen, als Übergang in einen Zustand, der dem Weg unserer „Seele“ besser gerecht wird.

Gestalten wir solche Umbruchsituationen bewußt, wird es möglich, neue Perspektiven auf das eigene Leben zu finden. Durch die Herausforderungen eines Lebensüberganges können Aspekte unserer Persönlichkeit, die uns im Laufe unseres Lebens verloren gegangen sind, wieder ins Leben hereingeholt werden.

Die Notwendigkeit, der Ernst und die Kraft gestalteter und begleiteter Lebensübergänge war den Menschen vieler alter Kulturen sehr bewußt. Jugendliche wurden initiiert. Junge Männer und Frauen wurden fastend in die Wälder geschickt, flehend um eine Vision, die ihnen ihren Platz im Stamm und ihren Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft offenbarte. Zeremonien der Heilung oder der Trauer würdigten den Schmerz, den Verlust und das Leid und suchten nach der Kraft, die einem Menschen daraus erwuchs. Abschied, eine Zeit allein in der Schwellenwelt und Rückkehr in die Gemeinschaft waren und sind die drei Phasen eines Übergangs. Die Ältesten hörten die Geschichte aus der Schwellenwelt und halfen, die neue Qualität zu integrieren.

Der weitgehende Verzicht auf derartige Begleitungen hat unsere Kultur sehr arm gemacht. Viele Jugendliche werden ohne Unterbrechung, ohne Wanderjahre oder Visionssuchen durchs Klassenzimmer über die Universität an ihren Arbeitsplatz geschleust, bis sie in mittleren Jahren erwachen wie aus einer Trance und feststellen, dass sie sich völlig fremd sind. Die Entwicklung einer spirituellen Identität bleibt ihnen verwehrt, ebenso die Chance, sich selbst zu entdecken in der Begleitung eines Mentors, einer Mentorin.

Moderne Formen archaischer Übergangsrituale gewinnen jedoch zunehmend an Kraft. Sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene und nicht zuletzt für Sterbende ist ein Feld der Übergangsgestaltung entstanden, welches mich persönlich nicht nur in seinen Bann gezogen, sondern auch handlungsfähig gemacht hat.

Übergangsgestaltung für Jugendliche :

Übergangsgestaltung für Erwachsene : Visionssuche

Weise ist für mich, beides zu üben – das Leben und das Sterben. Die bewußte Gestaltung der Übergänge in unserem Leben gibt uns für beides gute Gelegenheiten.

2 Antworten

  1. Lieber Erik,

    ich werde am 6.3. einen wirklich eindrücklichen Film (Doku) zeigen: „Erwachsenwerden in der Wildnis“. Er ist Englisch mit dt. Untertiteln, aber macht sehr deutlich, worum es bei der Arbeit geht. Zudem will ich ein bißchen was zur VS in Weißrussland sagen, auch aber zu Übergangsgestaltung für Jugendliche/Junge Erwachsene überhaupt. Es gibt ja noch mehr Formate als die „große“ Visionssuche, z.B. WalkAWay, Power Walk (findest du auf meinem Blog). Insofern könnte der Abend ein guter Einstieg sein. Und nein, Begleitung und Selbsterfahrung geht nicht getrennt voneinander 😉

    Liebe Grüße,
    Karina

    16. Februar 2012 um 11:00

  2. Erik Weigelt

    Hallo Karina,

    danke für deine Mail – habe auch nichts dagegen, in den Verteiler geraten zu sein.
    Mich interessiert der „Infoabend Visionssuche für junge Erwachsene“ am 06.03.2012 in der Jugendherberge. Ich bin mir jetzt nicht sicher, welche Zielgruppe ihr mit dieser Veranstaltung erreichen wollt. Seit längerem suche ich nach einer Möglichkeit, über welche ich mich zum Thema überhaupt ersteinmal etwas aufklären kann, denn bisher hat mich das so gut wie noch nicht tangiert. Ich frage also eher aus der begleitenden, pädagogischen Ecke denn aus der Sicht der Teilnahme – sofern sich das überhaupt trennen lassen sollte.
    Könnte der Infoabend als geeigneter Einstieg für mich dienen?
    Dank & Gruß

    ERIK

    16. Februar 2012 um 10:30

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